Von Arbeitszeiten und Überstundenausgleich

Heute morgen, auf dem Weg ins Büro, ist mir – ganz komisch – ein Interview eingefallen, das ich vor einigen Wochen im Fernseh gesehen hatte. Es war Bahnstreik und ein Zugbegleiter, interviewt vor dem Kölner Hauptbahnhof, hat sich über seine Arbeitsbedingungen beschwert. Ich weiß nicht, warum mir seine Worte gerade heute wieder eingefallen sind – schließlich streikt bei der Bahn ja momentan gar niemand mehr. Zum Glück, muss ich sagen. Denn das Verständnis für diese lästige Streikerei hat mir schon beim letzten und vorletzten Mal gefehlt. Darauf möchte ich aber gar nicht hinaus. Sondern vielmehr auf die Gedanken, die mir so durch den Kopf gegangen sind, nachdem sich der Zugbegleiter mit seiner Nörgelei in meine Tagträume geschlichen hatte.

Lokführer können keine Überstunden ausgleichen!

Der Gute hat sich nämlich über seine Arbeitszeiten beschwert und die fehlende Möglichkeit, Überstunden abzubauen. Und ohne jetzt selbst mit dem Nörgeln anzufangen, finde ich, dass er es im Vergleich zu einem selbstständigen Landwirt doch richtig gut hat! Denn, sind wir mal ehrlich, mehr als 10 Stunden arbeitet ein Zugbegleiter ja nun wirklich nicht am Tag. Und trotzdem bekommt er am Monatsende – oder zum 15. oder zum Monatsanfang – sein festes Gehalt. Klar, die Zugbegleiter sind jetzt vielleicht nicht die Großverdiener. Aber wer ist das schon?

Landwirtschaft kennt keine Arbeitszeiten

Als Landwirt hat man es doch eigentlich noch viel schlechter! Man hat keinen nine-to-five Job. Wenn ich Glück habe, ist mein Lieblingslandwirt um nine zu Hause. Und um five steht er dann meist wieder auf. Unser Abendessen findet ganz selten vor halb zehn am Abend statt. Denn die Arbeit schafft sich ja leider nicht von alleine. Die Bewässerung für die frisch gesäten Möhren stellt sich leider auch nicht von selbst ein, deshalb klingelt der Wecker dann nachts auch mal im Zwei-Stunden-Takt. Die „Überstunden“ von manchem 16-Stunden-Tag kann mein Lieblingslandwirt leider auch nicht abbauen. Wann denn auch? Und bezahlt bekommt er sie auch nicht. Wie denn auch? Wenn die 1-kg-Schale Möhren im Supermarkt für 49 Cent verkauft wird.

Aber wisst Ihr, warum kein Landwirt über Streik nachdenkt? Weil die meisten Bauern Spaß an ihrer Arbeit haben! Trotz der vielen Stunden, trotz der häufig niedrigen Preise. Und das ist der einzige Punkt, an dem ich Mitleid mit den Lokführern und den Zugbegleitern habe: Spaß haben die an Ihrer Arbeit wohl eher nicht!

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