Landwirt vs. Freizeitgesellschaft

Wahrscheinlich mache ich mir mit meinem heutigen Blogeintrag nicht sonderlich viele Freunde. Egal, ich muss es einfach mal loswerden.

Schon von Weitem habe ich es gestern gesehen. Bauers größtes Problem beim Befahren der Feldwege: Spaziergänger mit Hunden. Ich möchte mich nun nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und mich über Menschen aufregen, die Feldwege für ihre Freizeitaktivitäten nutzen. Nein, auf keinen Fall! Schließlich habe ich selbst einen Hund, der dreimal am Tag bewegt werden möchte. Auch ich nutze betonierte Feldwege und Graswege zum Gassigehen. Auch in meiner Jogging-Route sind diese Wege nicht wegzudenken. Ich ärgere mich vielmehr über die Selbstverständlichkeit mit der einige Spaziergänger die Feldwege einnehmen, schließlich handelt es sich bei den meisten dieser Wege noch immer um Wirtschaftswege die für die Bewirtschaftung der Felder angelegt wurden. Zum Entsetzen vieler uneinsichtiger Spaziergänger arbeitet der ein oder andere Bauer aber eben auch sonntags, vor allem bei gutem Wetter. Das Dilemma nimmt seinen Lauf: Bauer meets Spaziergänger/Jogger/Hundehalter.

Ich bin auch Hundehalter!

Bin ich mit meinem Hund im Feld unterwegs, rufe ich ihn zu mir, wenn ein Auto oder ein Traktor auf mich zufährt. Ich lasse ihn im Grünstreifen „Sitz“ machen und warte bis Auto, Traktor oder je nach Jahreszeit auch Mähdrescher an mir vorbei sind. Fertig! Kein Geschimpfe, keine erhobenen Mittelfinger, kein Notieren der Autonummer. Der Fahrer muss an mir vorbei, weil er sein Feld bearbeiten, den Weizen dreschen oder seine Ernte nach Hause bringen muss. Und ich mache Platz – bzw. mein Hund.

Fährt mal als Landwirtschaftlicher Verkehr selbst durchs Feld, wird man beschimpft. Oder man muss einen Kilometer im ersten Gang hinter zwei nebeneinanderlaufenden Müttern mit Kinderwagen, zwei nebeneinanderlaufenden Walkerinnen oder einem Hundebesitzer der versucht seinen Hund einzufangen, herbummeln. Schaffe man es mit dem Auto dann endlich an den Personen vorbei, sieht man als Landwirtschaftlicher Verkehr im Rückspiegel fluchende Rentner, empörte Mütter und Hundehalter die die Autonummer notieren.

Lasst uns doch einfach Rücksicht nehmen

Was ich erwarte, ist ein bisschen gegenseitige Rücksichtnahme. Schließlich produzieren diejenigen, die sonntags bei strahlendem Sonnenschein mit dem Traktor durchs Feld fahren die Lebensmittel für diejenigen, die sich über die „Störer“ des Sonntagsspaziergangs aufregen. Wie wäre es mit einem kleinen Deal: Ich fahre langsam und vorsichtig mit Traktor oder Auto an Euch vorbei. Und Ihr macht mir Platz und beschimpft mich nicht. Wie wäre das?

Leider findet unsere Gemeinde landwirtschaftlichen Verkehr auch doof – und fängt nun an die Feldwege zu sperren. Ungeschickt für alle, die genau hinter diesen Pfosten ihre Felder haben und nun mit der ganzen Gerätschaft durchs Neubaugebiet fahren müssen.

2 Comments

  • Friederike sagt:

    Volle Unterstützung von mir als Hundehalterin auf dem Land. Daß die Leute die Nummer des Traktors notieren, ist ja ohne Worte, sowas gibts bei uns, tief in der Odenwälder Provinz ja nun nicht, gottlob. Aber die Idee, Wirtschaftswege zu sperren, ist ja noch besser – da ist der Streß mit den bewohnern im Neubaugebiet ja jetzt schon absehbar. Viel Spaß bei der Arbeit!, möchte man den Landwirten da noch zurufen.

    • Anja Anja sagt:

      Ja, so ist das bei uns, leider! Da liegen die Vorteile einer noch ländlicher geprägten Struktur. Da regt sich niemand über den Traktor auf. Vielleicht sollten wir in den Odenwald umsiedeln.
      Die Absperrungen wurden aufgrund einer Beschwerde aus dem Neubaugebiet errichtet. Blöd nur, dass derjenige vergessen hat, dass der Traktor weiterhin an seinem Haus vorbei muss. Eben einmal außenrum… Und dann weiter durchs Neubaugebiet.

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