Das gestörte Verhältnis zum Tier

Ich ärgere mich. Und was macht man dann am Besten? Genau, man schreibt es nieder. Und genau das tue ich jetzt.

Ich ärgere mich, weil wir am Samstag auf einer Hochzeitsfeier etwas erlebt haben, das uns ganz gehörig gegen den Strich gegangen ist. Man stelle sich folgende Situation vor: Richtig viele Leute feiern schon seit mehreren Stunden die Hochzeit von X und Y in der äußersten Provinz, es wurde gut getrunken, der DJ läuft langsam zu Hochform auf und spielt die schnellen Beats, der ein oder andere tummelt sich auf der Tanzfläche. Und aus dem Dickicht kommen plötzlich zwei „Mittzwanziger“ mit je einem Huhn auf dem Arm, laufen mit diesen in Richtung Feier. Da sind bei mir schon sämtliche Alarmglocken angegangen. Auf die Frage „Hey, was macht Ihr mit den Hühnern?“ gab es keine Antwort. Stattdessen wurden die inzwischen recht verschreckten Tiere vor dem dröhnenden DJ-Pult zwischen die Leute gesetzt.

An dieser Stelle entschuldige ich mich für meinen fehlenden Humor, aber den Witz habe ich, um ehrlich zu sein nicht verstanden.

Ein tolles Geschenk!

Ein kleines Mädchen, so etwa 7 oder 8 Jahre alt, offensichtlich auch nicht, denn sie schnappte sich eines der Tiere, während ich das andere eingefangen habe (Danke dafür, denn das hat mir gezeigt, dass Kindern noch Werte beigebracht werden!). Als wir die beiden Tiere wieder ins Dickicht trugen, entbrannte eine lebhafte Diskussion darüber, „was denn mit uns los“ sei und warum „wir uns so anstellen“ würden. Die Tiere seien immerhin ein Hochzeitsgeschenk an das Brautpaar gewesen. Und das mit der Tanzfläche sei doch „lustig“. Das Geschenk wäre doch auch total toll, denn davon hätten das Paar doch mindestens zwei Jahre was.

Während sich der Vater des kleinen Mädchens prinzipiell darüber aufregte, dass man Tiere verschenkt, lag mein Problem an ganz anderer Stelle. Zum einen fand ich es unverantwortlich, dass man das „Geschenk“ offensichtlich seit Stunden in einem Karton an der Außenwand des Vereinsheims hatte stehen lassen – zwar etwas abseits, aber eigentlich mitten im „Getümmel“. Wenn man so ein Geschenk macht, dann sollten die Tiere zügig an einen ruhigen Ort gebracht werden. Das größere Problem habe ich aber damit, dass man sich auf Kosten von Tieren amüsieren möchte. Man quält die Hühner, indem man sie mitten in der Nacht auf eine dröhnende Tanzfläche setzt und lacht dann darüber, dass sie völlig aufgeschreckt durch die Gegend rennen. Das steht für mich nicht gerade für einen ausgeprägten Charakter!

Nicht die Landwirte haben ein gestörtes Verhältnis zu Tieren

Was mich aber ganz besonders ärgert, ist die Tatsache, dass immer wieder Landwirte pauschal als Tierquäler angegriffen werden. Selbst den kleinen Familienunternehmen wird immer wieder vorgeworfen, sie würden Tier ausnutzen, die Tiere seien nur „Produkte“. Dabei haben die Landwirte häufig eben nicht nur eine „Geschäftsbeziehung“ zu ihren Tieren. Hühner auf eine Tanzfläche zu setzen, würde wahrscheinlich niemandem von ihnen einfallen. Nicht wir sind es, die ein gestörtes Verhältnis zu Tieren haben.

Der Tag, an dem bei uns im Betrieb ausgestallt und geschlachtet wird, ist für uns alle nicht besonders toll. Aber es gehört eben dazu. Und wir können mit Überzeugung sagen, dass es den Tieren in der Zeit bei uns, gut ging.

Keine Tanzflächen und so – Ihr wisst schon, was ich meine….

 

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