Wie Shana zu uns kam

Eigentlich haben wir schon immer davon geträumt, uns in den nächsten Jahren einen Hund anzuschaffen. Einen mittelgroßen, damit er auf dem Traktor mitfahren kann. Einen Mischling im Welpenalter, weil wir nicht so auf Zuchthunde stehen und das Tier natürlich auch selbst erziehen wollen.

Im September 2013 kam es dann ganz anders. Morgens ahnten wir noch nichts und nachmittags hatten wir einen Hund: Shana. Eine 7-jährige Schäferhündin, ehemaliger Zuchthund mit einwandfreien Papieren. Und eigentlich zu groß, um auf dem Traktor Platz zu haben (das hat sich übrigens inzwischen als falsch erwiesen – Shana passt gut in die Kabine vom Traktor).

Die liebe Shana kam also auf recht unkonventionellem Wege zu uns. Sie hatte die ersten fünf Jahre ihres Lebens bei einem Züchter verbracht. Da sie bei beiden ihrer Würfe Kaiserschnitte hatte, durfte er nicht mehr mit ihr züchten. Deshalb hat er sie verschenkt. An einen weitläufigen Verwandten meines Freundes. Bei ihm lebte Shana zwei Jahre als Haus- und Hofhund. Und ich glaube, hier konnte sie sich auch erstmals außerhalb eines Zwingers bewegen. Die Liegeschwielen, die sie auch heute noch hat, zeigen den Untergrund, auf dem sie offensichtlich tagein und tagaus liegen musste.

2013 erkrankte ihr Besitzer schwer, musste längere Zeit ins Krankenhaus. Der Hund blieb zunächst im Haus und wurde von Nachbarn versorgt. Als aber klar wurde, dass ihr Besitzer wohl so schnell nicht wieder nach Hause kommt, wurde Shana an einen Bekannten des Halters vermittelt. Dieser Bekannte wollte sie unbedingt haben. Genau zwei Wochen lang, dann wollte er sie doch lieber wieder loswerden.

Es folgte eine unschöne, unbarmherzige Geschichte – an menschlichem Egoismus und Herzlosigkeit kaum zu übertreffen. Am Ende der Geschichte stehen Michael und ich auf dem Gehweg vor dem Haus des „Shana-Zwischenbesitzers“. Quasi mitsamt verängstigtem Hund an der Leine rausgeschmissen.

Zwei Tage haben wir überlegt, was wir mit der Fellnase machen sollen. Dann fingen wir an, Hundesachen einzukaufen und Haus und Hof für den Hund zu präparieren. Da war eigentlich klar, dass wir sie behalten und auf keinen Fall ins Tierheim geben würden. Und plötzlich waren wir Hundehalter. Unerfahren, unvoreingenommen, ahnungslos.

Ich habe damals noch in Münster gearbeitet und war Wochenendpendler. Die Verantwortung lag also zunächst bei Michael. Und das war schwierig, denn der Hund war das erste halbe Jahr sehr verängstigt und unsicher. Irgendetwas muss sie erlebt haben, was ihr unglaubliche Angst machte. Hinzu kam natürlich das fehlende Vertrauen in den Menschen, schließlich war sie nach der Erkrankung ihres Vorbesitzers hin- und hergeschoben worden. Die Ohren angelegt, den Kopf und den Schwanz eingezogen – so schlich sie wochenlang völlig verängstigt durch den Hof. Laute Stimmen oder Geräusche lösten einen Fluchtreiz bei ihr aus. Nicht nur einmal hat sie sich vor lauter Angst eingepieselt. Und es gibt unglaublich viel, was ihr (leider teilweise auch heute noch) Angst machte: die Hühner, die Meerschweinchen (ja, tatsächlich!), Wasser, kleine Hunde, die Dunkelheit…

Inzwischen ist sie 1,5 Jahre bei uns. Erst nach einem Jahr ist sie so richtig aufgetaut, verhält sich relativ normal. Sie bellt zwar noch immer nicht, ist aber inzwischen sehr auf uns fixiert. Die Geduld mit ihr hat sich gelohnt. Auch wenn sie kein richtiger „Kuschelhund“ ist (das ist wohl einfach nicht gewohnt), sucht sie immer unsere Nähe. Auch Spaziergänge scheinen ihr nun richtig Spaß zu machen. Und wenn ich sie dann mal wieder hüpfend, rennend und schwanzwedelnd über die Wiese oder durch den Hof jagen sehe, dann bin ich richtig glücklich. Und hoffe, dass sie es auch ist.

 

 

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